Reclaim the Night!

Liebe Mitstreiter*innen, Genoss*innen und Schwestern,

einmal im Jahr treffen wir uns und holen uns die Nacht zurück – für das schöne Leben und die guten Nächte für alle. Oft haben wir betont, dass die Gewalt nicht nur uns alle individuell betrifft, sondern eine strukturelle ist. Dass es um Macht, um Kapitalismus und Patriarchat geht. Das haben nicht nur wir so oft getan, dass wir uns am Ende selbst zitieren konnten, sondern auch viele unserer Vorstreiter*innen. Sie kämpften dafür, dass Stimmen von Frauen und Queers gehört werden, für gleiche Rechte, körperliche Selbstbestimmung und gegen Gewalt und Femizide. Wir stehen auf ihren Schultern und viele ihrer Kämpfe sind noch immer nicht gewonnen, auch wenn viele mit dem eigenen Leben bezahlt haben. Denn: sicher waren wir nie. Nicht nachts im Club, nicht tagsüber auf der Straße und schon gar nicht in unserem eigenen Umfeld.  

Anfeindungen gegen FLINTA*, LGBTQ+ und Feminist*innen sind uns also nicht neu und doch sind wir schockiert, wie viele sich wieder offen zu ihrem Antifeminismus bekennen. Jeder dritte Mann hat ein geschlossenes antifeministisches oder sexistisches Weltbild, bezogen auf Transfeindlichkeit sind die Zahlen sogar noch höher. Wir wissen zwar, dass es noch nie gut war und doch spüren wir: das Sagbare hat sich merklich verschoben.

Die Grundlage des Antifeminismus bildet dabei eine binäre Geschlechter- und Gesellschaftsordnung, die wahlweise als vermeintlich “natürlich” und / oder gottgewollt hergeleitet wird und insbesondere auch mit Transfeindlichkeit einhergeht. Damit dient der Antifeminismus als Klebstoff zwischen konservativen, christlich-fundamentalistischen, populistischen und verschwörungsideologischen Mileus. Global versuchen Rechte aller Couleur, feministische Errungenschaften abzuschaffen, zum Beispiel im Bereich reproduktiver Selbstbestimmung. Sie wollen das Erkämpfte wieder zurückdrängen und künftige Erfolge und Fortschritte blockieren.
  
 So ist der Antifeminismus immer mehr zum Lieblingsthema der reaktionären Rechten geworden und damit haben sie vor allem Erfolg bei fragiler Männlichkeit die “Angst” vor Kontroll- und Machtverlust hat. Antifeminismus und Transfeindlichkeit ist zum Einfallstor in die extreme Rechte geworden. Gerade eine sehr junge, vorwiegend männliche Zielgruppe lässt sich dadurch erschreckend schnell radikalisieren. Im Netz tummeln sich maskulinistische Influencer und misogyne Erfolgsgurus. In TikToks und Reels, Imageboards, Streams und vielen weiteren Orten, die nicht notwendigerweise extrem rechts sind, kursieren antifeministische Erzählungen und Grundhaltungen. Es gehört dort quasi zum guten Ton die Ablehnung einer feministischen, „woken“ und queeren Haltung so ironisch und vermeintlich clever wie möglich, Ausdruck zu verleihen. Die Auswirkungen davon sehen wir dann bei den CSDs, in denen über TikTok radikalisierte Halbstarke und Jungfaschos versuchen zu stören oder tatsächliche Angriffe tätigen.

Um zu sehen, wie schnell Dystopien wahr werden, müssen wir also nicht Handmaids Tale schauen oder die US-amerikanische Politik kritisieren. Überall in Europa greifen autoritäre Kräfte die Rechte von FLINTA* und queers an. Wenn wir uns nicht wehren, ist das erst der Anfang. Die AfD als ein zentraler Akteur des gesellschaftlichen Rechtsrucks hat etwa bereits bewiesen, dass sie gar nicht in der Regierung sitzen muss, um ihr reaktionäres Gesellschaftsprogramm voranzubringen. In der konkurrenzhaften Wechselwirkung mit den bürgerlichen Parteien, ist eine Rechtsverschiebung bereits deutlich spürbar.

Doch: wir ständen nicht hier, wenn wir uns ausbremsen und zurückwerfen lassen würden! Gemeinsam mit allen (queer-)feministischen und antifaschistischen Kräften kämpfen wir gegen den rechten Rollback und für ein besseres Morgen! Wir treten gemeinsam und solidarisch dem voranschreitenden Antifeminismus entgegen – egal ob er von der „bürgerlichen Mitte“, der AfD, religiösen Fundamentalisten oder neonazistischen Strukturen ausgeht. Wir widersetzen uns! Sei es bei der Blockade des sogenannten “Marsch für das Leben”, beim supporten und schützen der CSDs vor rechten Angriffen, bei der Neugründung der AfD-Parteijugend in Gießen am 29.11. oder in solidarischen und feministischen Bündnissen und Aktionen wie heute bei der “Reclaim the night”. Dafür müssen wir uns zusammenschließen, organisieren und Kämpfe vereinen. Denn es bleibt dabei, dass wir zeigen müssen, dass nicht nur Antifeminismus und Faschismus Hand in Hand gehen. Kein Feminismus ohne Klassenkampf und Antifaschismus – kein Antifaschismus und Klassenkampf ohne Feminismus.
   
  An dieser Stelle schicken wir einen solidarischen Gruß nach Nürnberg und München an unsere Genossin Hanna die im sogenannten Budapest Komplex gestern zu 5 Jahren Haft verurteilt wurde. Antifa bleibt legitim und notwendig! Hanna, Du bist nicht allein! Free all Antifas!
   
  Also, informiert euch über Gruppen und Initiativen in Braunschweig oder an euren jeweiligen Wohnorten, schließt euch ihnen an und werdet aktiv!
  Denn: Ihre Tradition ist nicht unsere Zukunft! Unser Feminismus ist eine Drohung und ein Versprechen!

Lasst uns den reaktionären, faschistischen Arschlöchern ihren Kurs versauen – und jedem sexistischen und antifeministischen Macker die Nacht: Für ein schönes, selbstbestimmtes Leben für alle, jenseits von Faschismus, Patriarchat und Kapitalismus!

Reclaim the night – Make feminism a threat!